PONTOR VODOX

Ich habe ich einer oberbayerischen Kleinstadt eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht, war GmbH-Geschäftsführer in der IT-Branche, bin Werbetexter und –konzeptioner und will jetzt Personaltrainer werden. Und immer war, bin und werde ich sein: PONTOR VODOX. Und nichts hätte ich so gut und erfolgreich machen können, wie ich es gemacht habe, wäre ich nicht immer auch PONTOR VODOX gewesen und das gilt für alle Zeiten.

Was ist denn nun eigentlich PONTOR VODOX? Ein spiritueller Erleuchtungsgrad? Eine schwer heilbare Form von Wahnsinn? Eine postästhetische Kulturtechnik? Ich würde sagen, von all dem etwas und reichlich mehr. PONTOR VODOX ist ein von mir entwickelter und dargestellter Kunst-Charakter, der sich besonderer musikalischer und performativer Ausdrucksmittel bedient. Die Gitarre brüllt wütend, wenn PONTOR VODOX den Putz von der Bühnendecke schlägt. Sie faucht bedrohlich, wenn er den Vibrator kommen lässt. Und beim Abschleifen der Absperrgitter protestiert sie heiser gegen reibungslose Ergebenheit.

Damit ist PONTOR VODOX Teil meiner Identität. Und wenn ich mich bewerbe oder vorstelle, dann bin ich mir jederzeit bewusst: ich kann diesen Job annehmen, ich kann aber auch jederzeit wieder auf die Bühne!

PONTOR VODOX ist die Summe meiner Begabungen: ausdrucksstark, kreativ, autoritär, authentisch, einzigartig, konsequent und bei alledem extrem sensibel. Und wer Thomas Schmidt einstellt, bekommt PONTOR VODOX dazu. Ein gutes Geschäft!

Ziele und Werte

Wir sitzen vor dem Fernseher, Atze, Harry, Reiner und ich. Wir gucken Fußball, trinken Bier und lachen über schlechte Witze. Nichts Besonderes, machen wir jedes Wochenende, aber wir können und wollen es uns auch gar nicht anders vorstellen. Wozu auch? Katy, Harrys Freundin kommt rein, holt sich ihren iPOd, macht nebenbei ein Fenster auf, nimmt einen vollen Aschenbecher und geht wieder raus. Das haben alle Freundinnen von Harry gemacht, Suse, Anna und Britt: Kopf schütteln, Fenster auf, Aschenbecher mitnehmen und wieder raus. „Was ist eigentlich mit Ole“ fragt Atze in die Runde, „der war jetzt schon vier Wochen nicht mehr da!““Vielleicht hat er ne Freundin“ sagt Reiner „Nee“ sagt Atze, „glaub ich nicht“. Da fällt ein Tor und was mit Ole ist, ist jetzt nicht mehr wichtig. Nach etwa einem Jahr kriegen wir alle Post: „Einladung zur Neueröffnung! Ole Athletics“ Wir hatten das nie ernst genommen und sind jetzt echt platt: funkelnde Kraftmaschinen, Markensportswear, hübsche Verkäuferinnen in Tennisröckchen und da hinten sitzt ein Surfweltmeister mit strahlend weißem Surfweltmeisterlächeln und gibt Autogramme, von dem sich Ole sofort höflich abwendet, als er uns sieht: „Hey Jungs, toll, dass Ihr gekommen seid! Hey Atze, was geht, nächsten Samstag bei dir? Sagt mal, was ist eigentlich aus Jens geworden?“ „Traurige Geschichte, Mann. Dachte, er müsste Anlageberater werden und ist dann total abgestürtzt“. Wir schweigen kurz verlegen bis uns Sarah, die Fitnesstrainerin mit ihrem XXL-Lächeln auf angenehmere Gedanken bringt Ole hatte sein Ding eisenhart durchgezogen und die Statik in seinem Wertegebäude variiert, in dem er sozusagen tragende Säulen ausgewechselt hatte, ohne das Fundament anzutasten (er steht ja immer noch zu seinen Freunden!).

Eine fiktive Geschichte, die sich so oder so ähnlich in meinen Kreisen abgespielt haben könnte. Es ist gut, sich Ziele zu setzen und diese diszipliniert zu verfolgen, was fast immer auch Entbehrungen und auch Rückschläge bedeutet. Und es ist gut, sich Ziele zu setzen, die mit den eigenen Werten vereinbar sind. Oder eben die eigenen Werte neu ordnen, aber so, dass die eigene Identität in ihrem Kern nicht beschädigt wird. Mit meinem Berufsziel Trainer und Coach bin ich mir meiner Sache sehr sicher und ich verfolge dieses Ziel stetig, aber unverkrampft und unter der Bedingung, meinen Selbstverpflichtungen als Künstler und meiner Verantwortung als Vater immer gerecht werden zu können.

Termin bei der Agentur für Arbeit

Es regnet in Strömen, überall Grau, das richtige Wetter für einen Termin beim Arbeitsamt, äh…Verzeihung… bei der AGENTUR FÜR ARBEIT. Und ich hatte auch noch selbst um eine Beratung gebeten: Wie kann mich die Arbeitsagentur bei der Verwirklichung meiner Pläne unterstützen?

Das Gespräch beginnt mit einer kleinen Enttäuschung, hatte ich zu viel erwartet? Der Arbeitsagent hatte sich vor drei Wochen ein vierzehnseitiges Fax mit allen möglichen Angaben von mir schicken lassen, was in mir die Illusion keimen ließ, er würde sich mit meiner Situation und mit meinen Vorstellungen schon mal auseinandersetzen, vielleicht sogar konkrete Anregungen geben!

Der Mann ist sehr freundlich und verständnisvoll und oberflächlich äußerst kundenorientiert. Eine ganz ungezwungene Atmosphäre und ich hatte mir das ja auch ganz unschuldig und in aller Bescheidenheit so vorgestellt: Ich sag denen, was ich so vorhabe und die sagen mir, was ich tun kann, um meine Chancen zu erhöhen und welche Betriebe für mich bevorzugt in Frage kommen, z.B. Bildungsträger, mit denen die Arbeitsagentur selbst zusammen arbeitet. Ich wollte meine Initiative in dem Sinne verstanden wissen, dass ich mich proaktiv mit dem Thema befasse, bevor der Versicherungsfall eintritt.

Aber das passt denen anscheinend nicht ins Konzept: „Herr Schmidt, wenn Sie NICHT arbeitslos sind und wenn Sie NICHT unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedroht sind, kommen Sie für Förderungen von Weiterbildungsmaßnahmen oder dergleichen auch NICHT in Frage!

Hm. Irgendwie kommen wir nicht so richtig zusammen. Trotzdem bekomme ich noch einen unerwarteten, aber nicht uninteressanten Tipp, ist das sozusagen das Licht am Ende des Korridors?: „Lassen Sie sich doch Ihren Schwerbehindertenausweis erneuern! Dann ist nämlich unsere Reha-Abteilung für Sie zuständig. Und die haben ja ganz andere Möglichkeiten!“ Tja, wär vielleicht ne Überlegung wert. Ist aber echt krass, das ganze Verfahren mit Versorgungsamt und Amtsärzten und so. Weiß nicht, ob ich mir das noch mal geben sollte.

Licht am Ende des Korridors

Licht am Ende des Korridors

Rosinen zwischen Luft und Teig

Später Vormittag, ich komme vom Einkaufen, auf dem Heimweg bin ich in Gedanken schon bei den Bewerbungen, die ich gleich wieder schreibe, wie jeden Tag. Irgendwie finde ich, das feine Obermenzing ist keine angemessene Kulisse für einen Bewerbungsmarathon und meine Stütze geht zu hundert Prozent für die Tilgungsraten meines Designerreihenhauses drauf, das ich mir in besseren Zeiten gekauft hatte.

Hoffentlich hab ich nicht wieder Absagen im Briefkasten, das zieht mich dann echt immer runter. Aber schon von weitem sehe ich einen großen braunen Umschlag auf meinem Briefkasten liegen. Und je näher ich komme, desto größer wird die Gewissheit, dass ausgerechnet das Unternehmen absagt, auf das ich mir am meisten Hoffnung gemacht hatte. Und im Briefkasten sind dann auch noch zwei kleinere große braune Umschläge. Es ist ein Elend.

Woher nehme ich denn nun die Kraft, weiter zu machen (Letztlich übrigens mit beachtlichem Erfolg!)? Ein Motivator sind die kleinen positiven Einsprengsel in den Absageschreiben. Oft sind es nur unscheinbare Floskeln zwischen ganz viel Luft und Teig, die man sich zu süßen, saftigen Rosinen schöndeuten kann: „Ihre Bewerbungsunterlagen haben durchaus überzeugt. Gleichwohl können wir Ihnen leider derzeit keine Stelle anbieten.“ Die wollen, aber können nicht! Es liegt nicht an mir! Es ist zwar eine Absage, aber es ist überhaupt keine Abwertung, im Gegenteil!

Natürlich, man sollte nicht das Gespür für die Realität aufgeben und Illusionen können einen auch auf die falsche Spur leiten. Andererseits – und das lasse ich mir nicht nehmen! – ICH habe die Deutungshoheit über die Botschaften in den Absageschreiben. Und ich nutze sie so, wie sie mir am meisten nützen: als Antrieb!

Mit Blick auf meinen sich im Wind sanft wiegenden Haselnussstrauch schreibe ich meine nächsten Bewerbungen und freue mich dabei auf eine Zusage, die dann auch tatsächlich eintrifft, in Form eines Schreibens im DIN A 4 Format in einem ganz unauffälligen C-lang-Umschlag zwischen Rechnungen und Werbepost, Eine Rosine zwischen Luft und Teig.

Morgengold

Morgenstund hat Gold im Mund? Dann hol dir das Morgengold, es gehört dir!

Vier Uhr früh aufstehen (ohne Wecker), Krafttraining, dann Laufen, erst durch den Olympiapark, dann durch den Luitpoldpark, Gedanken sammeln. Wieder zuhause, ein entschlossener Schritt ins Schlafzimmer: „Hallo Schatz, es ist jetzt halb sieben und ein neuer Tag mit neuen Möglichkeiten! Guten Tag Tag!“ Jetzt schnell in Deckung, im besten Fall fliegen gleich Kopfkissen, begleitet von Verwünschungen á la „Diese Chakka-Nummer kannst du bei deinen Kollegen abziehen!“

Schade. Naja, würde mir vielleicht auch so gehen, hätte ich das fremdbestimmte Gefühl, ich müsste aufstehen, weil ich bestraft werden würde, käme ich zu spät zur Arbeit um die mir aufgetragenen Jobs zur Zufriedenheit der Kunden erledigen, die mir zugeordnet wurden.

Fällt was auf? Richtig, in diesem Szenario komme ich selbst gar nicht vor, jedenfalls nicht aktiv, sondern allenfalls als willenloses Rädchen in einem großen Getriebe, das von irgendwem zu irgendeinem Zweck gesteuert wird. Da würd ich auch lieber liegen bleiben. „Alles klar, Schatz, dreh dich noch mal um.“ Ich schließe sanft die Tür und denke: Blöd für meine Freundin, dass die das so erlebt, bei mir ist das eben anders und das würd ich auch dir von Herzen wünschen!

Ich stehe gerne früh auf, weil ich weiß, dass ich den Tag nutzen werde: gestalten, erleben, lernen, ausprobieren und gutes Feedback auf eine gute Ausstrahlung abholen. Und meine Arbeit werde ich nicht selbst abwerten mit dem Gefühl, dass mir das irgendwer reingepresst hat.

Und der Zeitgewinn: Zwei Stunden nur für mich und zur freien Verfügung und das jeden Tag! Und das Aufstehen fällt natürlich so auch viel leichter: ich brauche keinen Wecker, keinen Kaffee, keine Abmahnungsandrohung. Am besten funktioniert es, wenn ich mir schon abends vornehme, was ich am nächsten frühen Morgen (gerne!) mache.

Übrigens: Heute früh hat mich meine Freundin geweckt: „Los, aufstehen, Spitzenwetter, wir fahren in die Berge!“

Körperverletzung mit unterschiedlichen Karrierefolgen

Letzten Mittwoch fand per Gerichtsurteil eine Episode aus meiner jüngeren Vergangenheit ihr vorläufiges Ende mit unterschiedlichen Folgen für die beruflichen Perspektiven der Beteiligten. Aus dem Tathergang bin ich gestärkt hervorgegangen, denn ich war in einem kurzen Moment über mich selbst hinausgewachsen, habe Zivilcourage bewiesen und mein Selbstbewusstsein nachhaltig fundiert. Ich bin aber auch der Einzige, der profitiert hat. Das Opfer behält bleibende körperliche Schäden und wurde in seiner sonst möglichen Karriere-Entwicklung um Jahre zurückgeworfen. Der Täter wird überhaupt keine berufliche Perspektive mehr entwickeln können, soweit meine Einschätzung, wenn für ihn nicht ein Wunder geschieht.

Das war passiert: letztes Jahr gehe ich mal wieder Joggen, als ich früh um sechs eine Bushaltestelle passiere und Gebrüll höre: “Sch*** Deutsche, alle Weißen sind A***” und so weiter: ein angetrunkener Schwarzafrikaner pöbelt wartende Fahrgäste an. Ich schreite zunächst nicht ein, Rumkrakelen, finde ich, darf man ja mal. Weil der aber so aggressiv ist, beobachte ich die Szene einen Moment und tatsächlich, einer Passantin, eine Dame jenseits der Fünfzig, versetzt er einen heftigen Stoß, so dass sie mit großer Wucht stürzt, worauf er sie weiter lautstark bedroht. “Shit, jetzt muss ich da rein.” Ich habe mich noch nie in meinem Leben körperlich ernsthaft auseinander gesetzt, aber es war für mich undenkbar, nicht dazwischen zu gehen. Ich renne auf den Typen zu, jetzt brülle auch ich “Hey, was ist da los!” Ich erreiche, was ich beabsichtige: der Täter lässt von seinem Opfer ab, stürmt jetzt aber auf mich zu. Scheiße, ich habe wirklich absolut kein Konzept für Schlägerei und so. Er versetzt mir einen heftigen Schlag mit der flachen Hand in die Seite, ich rufe “Polizei, ruft bitte jemand die Polizei” und der Typ flüchtet. Ich betreue die Frau, ihr Arm ist gebrochen und sie steht offensichtlich unter Schock.

Der Senegalese, ein Hilfsarbeiter, wurde wegen zweifacher Körperverletzung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, trägt die Kosten des Verfahrens und muss die nächsten elf Jahre Schadensersatz und Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Er wird kaum je motiviert sein, mehr zu arbeiten um mehr zu verdienen, denn von diesem Geld würde er nie was sehen. Die Frau wird ihre Hand nie wieder voll gebrauchen können, was sie in ihrer Arbeit am PC in einer Behörde beeinträchtigt. Außerdem war sie monatelang krankgeschrieben, was ihr berufliches Fortkommen zusätzlich behindert. Und ich? Die Statik meines Weltbildes wurde an der Säule “Toleranz für und Nachsicht mit Minderheiten und Benachteiligten aus Drittweltstaaten” kurzfristig erheblich belastet, bin da aber wieder ausbalanciert. Ich habe sehr viel gelernt und habe mir mal wieder bewiesen, dass ich auch in Extremsituationen handlungsfähig bin und dass es sich lohnen kann, auch um des eigenen Seelenfriedens Willen Risiken in Kauf zu nehmen.

Die Hand des Täters

Die Hand des Täters

Inkompetenzen

Meine zahlreichen Begabungen habe ich in einigen Artikeln ja nun reichlich zum Besten gegeben und auch künftig wird noch so manche Fertigkeit zu beschreiben sein. Aber so zwischendurch kann ich ja gerne auch mal die Tür zu meinen Begrenzungen einen Spalt breit für euch öffnen.

Fangen wir mit Handwerk an: geht gar nicht. Ich habe noch nie mit Erfolg einen Fahrradplatten behoben und selbst für das Wechseln einer Glühbirne würde ich am liebsten einen Elektriker holen.

Aber auch Computer, Handy, Internet: seit über zwanzig Jahren schaffe ich es, in diesem Kosmos mein Geld zu verdienen, ohne das geringste Verständnis für das logische Zusammenspiel von Betriebssystemen, Browsern, Anwendungssoftware, Plugins und Konsorten heranzubilden. Was hat mich dieses Unvermögen schon an Nerven gekostet! Kundentermin. “Die haben wahrscheinlich keinen Treiber für meine externe Festplatte. Da nehm ich den Treiber am besten mit!” Wirklich clever. Und wo speichere ich diesen Treiber, hm? Genau, auf dieser externen Festplatte!

Schlimmer noch als meine Inkompetenz ist aber meine Ungeduld, wenn so ein F***-Programm nicht sofort funktioniert. Dann wird ein Wesen in mir geweckt, das mir fremd ist, böse, gewaltbereit, gnadenlos, eine Bestie. Ein schönes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, war der Versuch meinen Tweets über Twibble (mobiles Twitter) Fotos anzuhängen.

Morgens um halb sechs auf dem Olympiaberg, diese fantastische Stimmung mag ich meiner Gemeinde nicht vorenthalten. Tweet: “Morgengrauen auf dem Olyberg!” Dazu das passende Handyfoto. Wie krieg ich jetzt dieses Foto attached? Das DARF kein Problem sein! Herrgottnochmal, warum wird mir dieser F*** Ordner nicht angeboten, wo dieses Sch*** Foto drinliegt! Tausend Versuche, es geht nicht. Inzwischen hat sich der Himmel wunderbar rosarot gefärbt, nix mehr mit Morgengrauen, also neues Foto, neuer Tweet: “Morgenröte auf dem Olyberg!” So Freunde, gleich geht das Ding on Air, das MUSS doch irgendwie zu machen sein. So? Nee. So? Auch nicht. Ver*** noch mal! Hoppla, was ist jetzt? Die Sonne kommt durch! Also gut, neues Foto, neuer Tweet: “Sunrise on Olyberg!” Da! Irre: das Foto ist angehängt! Jetzt heißt es nur noch: Tweet Pic! Ich sagte: Tweet Pic! Tweeeeet Pic!!! Warum bin ich – jetzt ist es fast sechs – immer noch alleine hier? Wo sind die Jogger und Hundebesitzer? Die stehen unten, keiner traut sich rauf zu diesem Typen im Handymassakerwahn! Okay. Okayokayokay, ich gebe auf und laufe weiter Richtung Luitpoldpark.

Sunrise

Sunrise

Intervieweinladung, Terminverschiebung, Vorbereitung

Sehr gefreut habe ich mich vor ein paar Tagen über die Einladung zum Vorstellungs-
gespräch
bei einem Medien-Bildungsträger in Berlin aufgrund einer Initiativbewer-
bung
. Ich hätte dafür auch gerne meinen morgigen bayerischen Feiertag „geopfert“, aber da ist nun jemand krank geworden und einen neuen Terminvorschlag habe ich noch nicht. Sehr schade, jetzt heißt es, Geduld haben und die Zeit nutzen! Zur Kon-
taktpflege und um in Erinnerung zu bleiben bekommen die von mir noch eine kleine sehr anschauliche Dokumentation zu meinen Seminaren, die ich aus bildrecht-
lichen Gründen aber lieber nicht in den Blog stelle. Außerdem hab ich mich mal mit der nervigsten aller Interviewfragen – die nach „Ihren Schwächen“ – spekulativ befasst und meiner ausufernden Fantasie freien Lauf gelassen.

Vorstellungsgespräch bei einem Fachbereichsleiter. Der Mann ist kein Personal-
fachmann
sondern Experte in seinem Kompetenzbereich. Er ist sich seiner Sache nicht so recht sicher, also überlässt er ungewollt und unausgesprochen MIR die Führung durch die Veranstaltung: Ich reiße also erst mal ein Fenster auf, nehme mir was zu Trinken und offeriere gönnerhaft ein paar dezente Anregungen zur Feng-Shui-optimierten Ausrichtung des Konferenztisches. Mein Interviewer hat sich an Stelle übertriebener Gesprächsbereitschaft lieber mit einer Art Checkliste ausgestattet, die ihm wohl Sicherheit in der möglichst objektiven Beurteilung von Bewerbern geben soll. Eine Position, meine Lieblingsfrage, lautet: „Herr Schmidt, nennen Sie mir doch mal Ihre Schwächen.“ Er fühlt sich offensichtlich nicht ganz wohl bei dieser Frage, aber die steht nun mal auf seinem Zettel! Okay, das ist die Gelegenheit, es ihm jetzt mal richtig zu besorgen:

„Nein, über meine Schwächen rede ich hier nicht. Aber ich nenne Ihnen gerne fünf meiner Stärken.
Erstens: ich bin nur begrenzt belastbar, also achte ich sorgfältig auf die Grenzen meiner Möglichkeiten, um meine Ressourcen für Ihr Unternehmen zu schützen.
Zweitens: ich lasse gerne andere für mich arbeiten, also versorge ich Leute ständig mit Informationen und emotionalen Anreizen.
Drittens: ich kompensiere meine akademischen Defizite gerne damit, dass ich über Wissen, das ich in der Praxis erworben habe, leidenschaftlich gerne und bei großen Lernerfolgen doziere.
Viertens: Ich kämpfe nicht für meine Überzeugungen, ich argumentiere und fertig..Ich aber und nicht bereit, unter Reibungsverlusten meine unschlagbaren Argumente durchzusetzen.
Fünftens: ich bin ein leidenschaftlicher Angeber und damit bestens geeignet Ihr Unternehmen nach Innen und Außen stets in bestem Licht erscheinen zu lassen.

Boah, das hat gesessen: Natürlich hab ich ein gutes Angebot bekommen, dann aber abgelehnt, weil ich mir mit solchen Schwachmaten keine erfolgreiche Zusammen-
arbeit verspreche. Okay, alles frei erfunden, klar. Aber die Schwächen-Frage regt nun mal vor allem meine Fantasie an.

Besuch vom Headhunter

Über den Besuch bei Joachim Leber von SAM Headhunting hatte ich ja schon berichtet. Gestern war er bei mir. Zwischenzeitlich hatte er tatsächlich einem Klienten mein Profil vorgestellt, leider hat´s dann doch nicht ganz gepasst und zu einem Interview kam erst mal nicht. Macht nichts, mein Ziel ist es, mich mit meinen Karrierezielen an relevanten Schaltstellen zu platzieren und so freut mich das Interesse von Herrn Leber an meiner Person, meinen Begabungen und meinen Erfahrungen natürlich sehr.

Hauptthema dieses Gespräches ist ein ausführliches „Feedback für den Kandidaten“ zur bereits vorgenommenen Verhaltensprofilanalyse. Erfreulich finde ich, dass sich mein Selbstbild und auch meine Selbstdarstellung zu mehr als neunzig Prozent mit den Ergebnissen dieser Analyse decken (solange kein Druck am Arbeitsplatz herrscht!). So behaupte ich von mir gerne und bei jeder Gelegenheit, dass ich einflussreich, überzeugend, willensstark, unabhängig und redegewandt bin (um nur einige meiner Eigenschaften zu nennen) und genau das ist auch das Ergebnis der „VPA“. Ene der wenigen Abweichungen ergibt sich bei der Position „finanzielle Anreize“: anders als dies die VPA nahelegt, animieren mich monetäre Motivatioren nicht besonders, wenn die Vergütung im Übrigen angemessen ist.

Daraus ergibt sich ausdrücklich die Eignung für Tätigkeitsfelder wie Trainings, Vorträge, Werbung und PR, was ich sehr passend finde, aber auch Vertrieb, was für mich nicht (mehr) in Frage kommt. Popstar steht nicht drin, gehört aber ganz bestimmt in diese Gattung und ist ja auch Teil meiner Biografie.

Ohne dass ich irgendwas in dieser Richtung angeklickt hätte, ergibt die Auswertung auch, dass mich meine gegenwärtige Tätigkeit nicht ausfüllt, was ja auch stimmt, denn sonst würde ich ja keinen Neustart angehen. Damit ist in meinem Fall aber wirklich nur die Tätigkeit gemeint, nicht das Arbeitsklima, die Beziehung zu den KollegInnen, etc.

„Mögliche Begrenzungen“, die ich vorbehaltlos anerkenne und mit denen ich auch ganz gut leben kann sind in etwa „wenig Interesse an Details“, „keine Leidenschaft für ausführende Tätigkeiten“ was mich – auch das interpretiere ich hier mit eigenen Worten – zutreffend als Antiperfektionisten beschreibt, der gerne eine Idee entwickelt und bevor diese Idee ihr Potenzial ausschöpfend verwirklicht ist, schon wieder an der nächsten arbeitet.

Wenig schmeichelhaft aber durchaus nicht unzutreffend ist, was die Analyse sonst noch als mögliches Verhalten herausgefunden hat: meine gelegentliche Neigung, mich zu unpassenden, gar taktlosen Äußerungen hinreißen zu lassen. F***! Ich? Unpassend? Taktlos? Bewahre, ich bin ein Diplomat! Ausgleichend, einfühlsam, besonnen, integrierend! Nicht immer, leider.

Das Gespräch mit Herrn Leber jedenfalls war ein Gipfeltreffen gepflegter Konversation, ein nützlicher, Zuversicht stiftender Austausch auf hohem Niveau.

Kunst als Beruf? Einkommen sichern und Synergien nutzen!

Mitte der Achtziger Jahre, Hamburger Markthalle, ein Punkrock-Festival von Rough Trade Records. Als Gage waren ein paar hundert Mark vereinbart. „Hey, Jack, what the hell ist DAS???“ Mein persönlicher Ansager ging mit einem Granitkreuz auf die Bühne, rammte es in den Holzoden um seine (meine) Autorität zu unterstreichen, das Kreuz brach glatt durch, ich performte vor einem großen Loch und die Gage wurde einbehalten. In der Berliner Volksbühne, im Wiener Museumsquartier und vom Münchener Kulturreferat gab´s durchaus auch mal vierstellige, tatsächlich ausbezahlte Beträge, aber halt alle Jubeljahre mal!

Sehr wahrscheinlich hätte ich auch regelmäßig mit Kunst bzw. Musik Geld verdienen können, aber ich war nie bereit mich über längere Zeit zu wiederholen. Künstlerische Freiheit und Fortschrittswille haben eben ihren Preis! Kunst als Erwerbsberuf ist also definitiv keine Option für mich, was natürlich auch mit kunstfernen Verpflichtungen zu tun hat. Jedenfalls geht die Hälfte eines „Produktionskostenzuschusses“ aus dem Kulturetat unserer Landheshauptstadt für Sandalen der Größe 29 drauf.

Sehr ergiebig finde ich es allerdings, künstlerische Verfahren, Ausdrucksmittel, etc. in meiner Erwerbsarbeit zu nutzen. Klar, Werbung ist definitiv keine Kunst. Aber meine kreative Herangehensweise ist in vielen Punkten ähnlich. Sehr inspirierend finde ich auch die Interpretation der Boulevardzeitung tz, München, meiner Aktion „Submarathon“. Konzipiert als Position mit einem hohen künstlerischen Anspruch deuten die das als so ne Art Wellness-Balance-Aktion! Aber warum nicht: als Trainer/Coach könnte ich durchaus auch ein Körpererfahrungs-Architektur-Musik-Erlebnis als verbindendes Gemeinschaftsevent anbieten.

Die tz zum Submarathon

Die tz zum Submarathon