Sehr gefreut habe ich mich vor ein paar Tagen über die Einladung zum Vorstellungs-
gespräch bei einem Medien-Bildungsträger in Berlin aufgrund einer Initiativbewer-
bung. Ich hätte dafür auch gerne meinen morgigen bayerischen Feiertag „geopfert“, aber da ist nun jemand krank geworden und einen neuen Terminvorschlag habe ich noch nicht. Sehr schade, jetzt heißt es, Geduld haben und die Zeit nutzen! Zur Kon-
taktpflege und um in Erinnerung zu bleiben bekommen die von mir noch eine kleine sehr anschauliche Dokumentation zu meinen Seminaren, die ich aus bildrecht-
lichen Gründen aber lieber nicht in den Blog stelle. Außerdem hab ich mich mal mit der nervigsten aller Interviewfragen – die nach „Ihren Schwächen“ – spekulativ befasst und meiner ausufernden Fantasie freien Lauf gelassen.
Vorstellungsgespräch bei einem Fachbereichsleiter. Der Mann ist kein Personal-
fachmann sondern Experte in seinem Kompetenzbereich. Er ist sich seiner Sache nicht so recht sicher, also überlässt er ungewollt und unausgesprochen MIR die Führung durch die Veranstaltung: Ich reiße also erst mal ein Fenster auf, nehme mir was zu Trinken und offeriere gönnerhaft ein paar dezente Anregungen zur Feng-Shui-optimierten Ausrichtung des Konferenztisches. Mein Interviewer hat sich an Stelle übertriebener Gesprächsbereitschaft lieber mit einer Art Checkliste ausgestattet, die ihm wohl Sicherheit in der möglichst objektiven Beurteilung von Bewerbern geben soll. Eine Position, meine Lieblingsfrage, lautet: „Herr Schmidt, nennen Sie mir doch mal Ihre Schwächen.“ Er fühlt sich offensichtlich nicht ganz wohl bei dieser Frage, aber die steht nun mal auf seinem Zettel! Okay, das ist die Gelegenheit, es ihm jetzt mal richtig zu besorgen:
„Nein, über meine Schwächen rede ich hier nicht. Aber ich nenne Ihnen gerne fünf meiner Stärken.
Erstens: ich bin nur begrenzt belastbar, also achte ich sorgfältig auf die Grenzen meiner Möglichkeiten, um meine Ressourcen für Ihr Unternehmen zu schützen.
Zweitens: ich lasse gerne andere für mich arbeiten, also versorge ich Leute ständig mit Informationen und emotionalen Anreizen.
Drittens: ich kompensiere meine akademischen Defizite gerne damit, dass ich über Wissen, das ich in der Praxis erworben habe, leidenschaftlich gerne und bei großen Lernerfolgen doziere.
Viertens: Ich kämpfe nicht für meine Überzeugungen, ich argumentiere und fertig..Ich aber und nicht bereit, unter Reibungsverlusten meine unschlagbaren Argumente durchzusetzen.
Fünftens: ich bin ein leidenschaftlicher Angeber und damit bestens geeignet Ihr Unternehmen nach Innen und Außen stets in bestem Licht erscheinen zu lassen.
Boah, das hat gesessen: Natürlich hab ich ein gutes Angebot bekommen, dann aber abgelehnt, weil ich mir mit solchen Schwachmaten keine erfolgreiche Zusammen-
arbeit verspreche. Okay, alles frei erfunden, klar. Aber die Schwächen-Frage regt nun mal vor allem meine Fantasie an.
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