Letzten Mittwoch fand per Gerichtsurteil eine Episode aus meiner jüngeren Vergangenheit ihr vorläufiges Ende mit unterschiedlichen Folgen für die beruflichen Perspektiven der Beteiligten. Aus dem Tathergang bin ich gestärkt hervorgegangen, denn ich war in einem kurzen Moment über mich selbst hinausgewachsen, habe Zivilcourage bewiesen und mein Selbstbewusstsein nachhaltig fundiert. Ich bin aber auch der Einzige, der profitiert hat. Das Opfer behält bleibende körperliche Schäden und wurde in seiner sonst möglichen Karriere-Entwicklung um Jahre zurückgeworfen. Der Täter wird überhaupt keine berufliche Perspektive mehr entwickeln können, soweit meine Einschätzung, wenn für ihn nicht ein Wunder geschieht.
Das war passiert: letztes Jahr gehe ich mal wieder Joggen, als ich früh um sechs eine Bushaltestelle passiere und Gebrüll höre: “Sch*** Deutsche, alle Weißen sind A***” und so weiter: ein angetrunkener Schwarzafrikaner pöbelt wartende Fahrgäste an. Ich schreite zunächst nicht ein, Rumkrakelen, finde ich, darf man ja mal. Weil der aber so aggressiv ist, beobachte ich die Szene einen Moment und tatsächlich, einer Passantin, eine Dame jenseits der Fünfzig, versetzt er einen heftigen Stoß, so dass sie mit großer Wucht stürzt, worauf er sie weiter lautstark bedroht. “Shit, jetzt muss ich da rein.” Ich habe mich noch nie in meinem Leben körperlich ernsthaft auseinander gesetzt, aber es war für mich undenkbar, nicht dazwischen zu gehen. Ich renne auf den Typen zu, jetzt brülle auch ich “Hey, was ist da los!” Ich erreiche, was ich beabsichtige: der Täter lässt von seinem Opfer ab, stürmt jetzt aber auf mich zu. Scheiße, ich habe wirklich absolut kein Konzept für Schlägerei und so. Er versetzt mir einen heftigen Schlag mit der flachen Hand in die Seite, ich rufe “Polizei, ruft bitte jemand die Polizei” und der Typ flüchtet. Ich betreue die Frau, ihr Arm ist gebrochen und sie steht offensichtlich unter Schock.
Der Senegalese, ein Hilfsarbeiter, wurde wegen zweifacher Körperverletzung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, trägt die Kosten des Verfahrens und muss die nächsten elf Jahre Schadensersatz und Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Er wird kaum je motiviert sein, mehr zu arbeiten um mehr zu verdienen, denn von diesem Geld würde er nie was sehen. Die Frau wird ihre Hand nie wieder voll gebrauchen können, was sie in ihrer Arbeit am PC in einer Behörde beeinträchtigt. Außerdem war sie monatelang krankgeschrieben, was ihr berufliches Fortkommen zusätzlich behindert. Und ich? Die Statik meines Weltbildes wurde an der Säule “Toleranz für und Nachsicht mit Minderheiten und Benachteiligten aus Drittweltstaaten” kurzfristig erheblich belastet, bin da aber wieder ausbalanciert. Ich habe sehr viel gelernt und habe mir mal wieder bewiesen, dass ich auch in Extremsituationen handlungsfähig bin und dass es sich lohnen kann, auch um des eigenen Seelenfriedens Willen Risiken in Kauf zu nehmen.
Abgelegt unter : 1, Coaching und Motivation, Unglaublich, aber wahr! | Mit Tag(s) versehen: Behinderung, Beruf, Perspektiven, Soft Skills, Sozialverhalten, Stärken
